Sussi Bech und Frank Madsen

Gespräch mit Sussi Bech und Frank Madsen, Zeichnerpaar aus Dänemark, auf dem Comic-Salon Erlangen 2014. Frank hat 1988 die Association of Danish Comic Artists (Danske tegneserieskabere) mit gegründet.
Veröffentlichungen: „Nofret“ #1–12, „Aida“ #1+2, „Kurt Dunder“ #1–3, „Eks Libris“ (wöchentlicher Zeitungs-Comic-Strip über die dänische Literaturszene), „Snus Mus“ (Kinderbücher).

Cartoon con Sussi Bech und Frank MadsenSussi und Frank – so sehen sie sich selbst in ihrer Comic-Strip-Serie „Eks Libris“

(C) Sussi Bech, Frank Madsen

Frank, du warst Mitbegründer der dänischen Gesellschaft für Comiczeichnerinnen und –zeichner (Association of Danish Comic Artists, danske tegneserieskabere). Kannst du ein bisschen über die Gesellschaft erzählen?
Frank: Die Gesellschaft wurde 1988 gegründet. In Dänemark gibt es ca. 120 bis 150 haupt- und nebenberufliche Comiczeichnerinnen und –zeichner, und etwa die Hälfte davon sind Mitglieder der Gesellschaft für dänische Comiczeichner.
Wir kümmern uns z.B. um die Rechte von Comicschaffenden im Hinblick auf Urheberrechte, Bibliotheksabgaben, Copydan usw.  [Anm.: Die dänische Bibliotheksabgabe ist eine Unterstützung für Schriftsteller, Übersetzer, Illustratoren etc., deren Werke auf Dänisch erschienen sind – ein bisschen vergleichbar der deutschen VG Wort. Copydan ist ein dänischer Verein, der die Urheberrechte von Rechteinhabern in Bezug auf Kopien ihrer Werke vertritt und hierfür Gelder einnimmt und verteilt, z.B. durch feste Kopieabgaben von Schulen etc..] Durch Mittel von Copydan können wir z.B. den Besuch unserer Mitglieder von Festivals in Frankreich und den USA finanzieren, oder eben auch den Besuch des Comicsalons hier in Erlangen.

Ausschnitt aus "Kurt Dunder in Afrika"

 

 

 

Ausschnitt aus „Kurt Dunder in Afrika“, deutsche Ausgabe, noch nicht veröffentlicht, (C) Frank Madsen

Was zeichnet Ihr selbst? Und mit welchen Arbeitsmitteln bzw. Techniken arbeitet Ihr?
Frank: Ich arbeite an einer eigenen Comicserie um den Abenteurer Kurt Dunder, von der bisher drei Alben erschienen sind – diese Serie ist im klassischen Ligne-claire-Stil erzählt und gezeichnet. Beide zusammen stehen wir hinter einer humoristischen Comicstripserie, die regelmäßig einmal pro Woche in einer dänischen Zeitung erscheint und die in der Welt der Literatur und Bücher spielt – also mit Schriftstellern, Verlegern, Bibliothekarinnen etc. als Hauptdarsteller.
Ausschnitt aus "Nofret"Ausschnitt aus „Nofret“

(C) Sussi Bech

Sussi: Ich habe mit „Nofret“ auch eine eigene Comicserie, die im alten Ägypten spielt und deren Hauptperson Nofret herumreist und Abenteuer erlebt. Von dieser Serie sind bisher zwölf Alben erschienen, die außer in Dänemark auch in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Indonesien veröffentlicht wurden, und wer weiß? Vielleicht finde ich ja auch in Deutschland mal einen Verlag?
Ich arbeite übrigens ganz altmodisch mit Bleistift und Papier; erst später im Arbeitsprozess setze ich den PC ein, wenn ich die Zeichnungen mit Photoshop einfärbe.
Ausschnitt aus "Snus Mus"Illustration aus „Snus Mus“

(C) Sussi Bech, Frank Madsen

Frank: Wir haben außerdem auch Kinderbücher gemeinsam verfasst, zum Beispiel „Snus Mus“, bei dem ich für die Texte und Sussi für die Bilder verantwortlich war. Der erste Band von „Snus Mus“ handelt von einer Maus, die sich darüber wundert, dass der Mond plötzlich verschwunden ist, und die dann verschiedenen Theorien nachgeht, warum das wohl so ist. Bisher sind drei Bände mit Snus Mus als Mäusedetektiv erschienen.

Ausschnitt aus "Eks Libris"

(C) Sussi Bech, Frank Madsen,

 

 

Ausschnitt aus „Eks Libris“ (englische Ausgabe)

Was sind eure Vorbilder?
Frank: Das sind die guten alten Klassiker wie zum Beispiel Donald Duck, und dann natürlich die Werke im franko-belgischen Stil.
Sussi: Also im Grunde die Comics, mit denen wir aufgewachsen sind!

Welche dänischen Comiczeichner/ Comics könnt Ihr uns empfehlen?
Frank: Als erstes möchte ich Claus Deleuran erwähnen, der leider bereits vor 20 Jahren verstorben ist. Er hat sich mit der Geschichte Dänemarks beschäftigt und daraus eine Comicserie gemacht, die richtig witzig geworden ist (Illustreret Danmarkshistorie for folket). Dann gibt es natürlich Peter Madsen mit seinem Projekt „Walhalla“. Nikoline Werdelin ist eine dänische Comiczeichnerin, die lange in Berlin gelebt hat und für die dänische Zeitung Politiken einen täglichen Strip liefert. Erwähnen möchte ich auch noch Niels Roland – er ist Disney-Autor – und Lars Jakobsen, der auch hier in Erlangen ist und dessen Comics auch in Amerika erscheinen. [Anm: Außer Sussi Bech, Frank Madsen und Lars Jakobsen waren übrigens ins Erlangen auch noch dabei: Signe Parkins, Tatiana Goldberg, Ina Korneliussen, Simon Petersen, Ingo Milton, Torben Christensen, Søren Mosdal und Johan F. Krarup.]

Der Mausekater mit den großen Klickern - AusschnittAusschnitt aus „Kitty with the Big Balls“ (deutsch: „Der Mausekater mit den großen Klickern“), (C) Sussi Bech, Frank Madsen

Was ist typisch für den dänischen Comic-Markt?
Frank: Nach einem Boom in den 1980er Jahren hat der Comicmarkt in Dänemark in den 90ern einen Einbruch erlitten, bis auf die Zeitungsstrips. Aber die Zahl der Alben ging sehr stark zurück. Das war in Deutschland umgekehrt, soweit ich weiß.
Sussi: Im Moment stehen die sog. Graphic Novels gerade sehr im Fokus der Aufmerksamkeit, aber niemand kann davon leben, Graphic Novels zu zeichnen!
Frank: Wenn man vom Zeichnen leben will, muss man einen Vertrag mit einer Zeitung über einen regelmäßigen erscheinenden Strip haben, dann geht es. Außerdem kann man sich um Künstlerstipendien der dänischen Regierung bewerben, genauso wie Schriftsteller und Künstler anderer Sparten. Mittlerweile erscheinen wieder viele Titel pro Jahr, aber in der Regel in sehr kleinen Auflagen. In Dänemark gibt es etwa 15 Comicverlage, von denen etwa ein Drittel zu den großen gehört – die anderen gehören mehr oder weniger zur Independent- Comicszene.

Gibt es eine vergleichbare Comic-Veranstaltung in DK?
Frank: Ja, es gibt zum einen das Festival ”Art Bubble” in Horsens, das immer in den geraden Jahren im Herbst stattfindet und von Lars Jakobsen mit organisiert wird, und dann gibt es in den ungeraden Jahren in Kopenhagen das Copenhagen Comics-Festival. Im Jahr 2015 finden allerdings entgegen der Regel beide Festivals statt. [Anm.: Mehr Informationen: www.art-bubble.dk, 14.+15.11.2015; www.copenhagencomics.dk, 6.+7.06.2015]

Welche Comic-Veranstaltungen besucht Ihr sonst noch?
Frank: In Erlangen waren wir 2014 zum ersten Mal. Außerdem waren wir 2014 zum ersten Mal auf dem MoCCA Arts Festival in New York, das jährlich stattfindet, (www.societyillustrators.org, das nächste Mal am 11./12. April 2015) und zum zweiten Mal in Saint Malo auf dem Quai des Bulles (www.quaidesbulles.com, das nächste Mal vom 23.-25.10.2015). Wir ziehen im allgemeinen die kleineren Festivals vor, um leichter mit den Leuten in Kontakt zu kommen.
Sussi: Das interessante an dem MoCCA Festival ist, dass dort nicht nur die großen amerikanischen Verlage mit ihren Superhelden-Comics zu finden sind, die ja typisch für den amerikanischen Markt sind, sondern eben auch die Indie-Szene.

Titebilder zu Sussi Bechs Reihe "Nofret"Coverillustrationen zu Sussi Bechs Reihe „Nofret“,

(C) Sussi Bech

Was gefällt Euch am Comic-Salon Erlangen?
Frank: Der Comic-Salon Erlangen ist ein sehr heimeliges Festival mit einer guten Atmosphäre, auf dem wir uns gut aufgehoben fühlen. Uns sind viele Verlage mit sehr guten Sachen aufgefallen. Außerdem gefällt es uns, dass man hier mit den Verlegern und verantwortlichen Lektoren selbst ins Gespräch kommen kann. In Frankreich z.B. war das ziemlich schwierig, weil dort an den Ständen fast nur reines Verkaufspersonal war.

Habt Ihr ein Ziel für Euren Erlangen-Besuch?
Sussi: Ja, wir möchten gerne in Kontakt mit deutschen Verlagen kommen, und natürlich mit dem deutschen Comicpublikum, wo wir gerne etwas bekannter werden möchten. Und natürlich möchten wir auch gerne ein bisschen verkaufen!
Frank: Wir haben im Vorwege recherchiert und herausgefunden, dass es insgesamt 16 deutsche Verlage gibt, die ein Interesse an unseren Arbeiten haben könnten, und zusammen haben wir vier mögliche Titel, die wir ihnen gerne vorschlagen würden, wenn wir die Gelegenheit dazu bekommen!

Da wünsche ich Euch viel Glück und bedanke mich herzlich für das Gespräch!
Das Interview führte Sylvia Marquardt.

Weitere Informationen im Netz:

Sussi Bechs Homepage
Frank Madsens Homepage

Die dänische Gesellschaft für Comicschaffende

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